Gemeinnützigkeit

Die Frage nach Gemeinnützigkeit und Spendenquittungen ist ein Thema, das uns seit sieben Jahren begleitet. Um es gleich vorwegzunehmen: Das Glückslokal ist ein eingetragener Verein, jedoch nicht gemeinnützig! Und ja, wir haben probiert, es zu werden. Bereits 2014 haben wir einen Ablehnungsbescheid vom Finanzamt bekommen und auch weitere Beratungen in den Folgejahren führten zum gleichen Ergebnis. Es ist wie es ist, die gemeinnützigen Zwecke sind gesetzlich festgelegt und vor allem erfüllt das Glückslokal eine ganz entscheidende Bedingung nicht: Die Mitgliedsbeiträge werden nicht selbstlos entrichtet. Jedes Vereinsmitglied hat die Möglichkeit, sich – sofern gewünscht – im Glückslokal schöne Second-Hand-Dinge auszusuchen und mitzunehmen. Dieser persönliche Vorteil, der sich aus der Mitgliedschaft ergibt, schließt jedoch Selbstlosigkeit aus.

Auch wenn eine Sharing-Community in dieser Form nicht gemeinnützig ist, finden wir das Angebot trotzdem gut und wichtig und möchten es gerne genauso beibehalten. Zwischendurch kam die Idee auf, zusätzlich zum Glückslokal einen weiteren Förder-Verein zu gründen, der gemeinnützige Zwecke verfolgen soll. Da jedoch ein gemeinnütziger Verein einen nicht-gemeinnützigen Verein nicht direkt finanziell supporten kann, werden wir einen anderen Weg gehen. Vielleicht ergeben sich ja schöne Kooperationen mit gemeinnützigen und förderfähigen Institutionen, die Lust auf Projekt-Partnerschaften mit uns haben? Wir sind für Vorschläge offen!

Zero Waste

von Skadi Frahm

Hallo, ich bin Skadi!  

Bis 2018 habe ich in einer Reihenhaussiedlung gewohnt, in der alle 14 Tage die gelben Säcke abgeholt wurden. Sie stapelten sich an der Straße, hunderte Säcke im Monat. Natürlich auch die meiner Familie, ca. 4 volle Säcke im Monat. Nach ein paar Reportagen, Dokumentationen, Artikel und Berichte über die Umweltbelastung durch Plastik und Ressourcenverschwendung durch Verpackungen war mir klar, dass ich nicht mehr mitmachen wollte.  

Heute passt mein Kunststoff-Verpackungsmüll eines Jahres in ein Einmachglas (ich komme auf ca. 200 Gram im Jahr). Wie schaffe ich das?

Ich kaufe meine Lebensmittel unverpackt, das geht mittlerweile nicht mehr nur in speziellen Läden, auch einige Bioläden, Spezialitätengeschäfte wie Asia-Shops und auch viele Supermärkte bieten eine unverpackt-Abteilung an. Auf den Wochenmärkten gibt es alles an Obst und Gemüse ohne Verpackung, regional und saisonal. Ich mache mir einen Wochenplan, was ich kochen möchte und schreibe einen Einkaufszettel. So entfallen Spontankäufe, die dann nur im Schrank liegen. So wird auch kein Essen verschwendet.

Ich verzichte auf Neuanschaffungen bei Textilien, Elektronik und anderen Gegenständen, kaufe diese second-hand, tausche und leihe.

Ich nehme meine eigene Tasse, Brötchenbeutel und Dosen mit, wenn ich unterwegs bin, benötige also auch auf Reisen kein Einmal-Geschirr oder -Verpackungen.

Ich stelle einige Sachen selber her, wie zum Beispiel Reinigungsmittel und Kosmetik.  

Natürlich bin ich nicht bei Null, in meinem Glas finden sich Zahnpastatuben, Teebeutelverpackungen und dieses Jahr auch einiges an Sojawürstchen-Tüten. Dafür suche ich noch gute Alternativen. 🙂

Ich weiß, dass Zero-Waste den Ruf hat, teuer und zeitintensiv zu sein. Das kann ich nicht bestätigen. Regional, saisonal und selbstgemacht ist in den meisten Fällen viel günstiger, als fertig gekauft und ob ich mit unverpackten Lebensmitteln koche oder mit verpackten macht keinen Unterschied im Aufwand. Die Herstellung meines Deos zum Beispiel dauert ca. 2 Minuten. Hafermilch noch weniger und kostet auch nur wenige Cents. Seit ich mich mit dem Thema Nachhaltigkeit und Müllvermeidung beschäftige, konsumiere und lebe ich anders. Dort, wo ich mein Geld ausgebe, sage ich damit „Das finde ich gut, das unterstütze ich!“ Mit diesem Grundgedanken kann ich ganz einfach entscheiden, wo ich mein Geld lasse. Umweltschonende und ganzheitliche Herstellungsprozesse überzeugen mich nicht nur bei Lebensmitteln. Auch für Dienstleistungen gebe ich gerne Geld aus, denn ich möchte, dass Menschen angemessen für ihre Arbeit entlohnt werden. Meine Prioritäten haben sich verschoben: lieber wenig aber wertig, als Massen an minderwertigen Dingen.

Müllfreies Reisen ist ein Thema für sich. Es funktioniert und macht Spaß – das habe ich selbst schon herausgefunden.

Viel gelernt habe ich im Zero Waste Kiel e.V. wo ich mit meinem Partner einmal im Monat einen Stammtisch zu verschiedenen Themen im Bereich Müllvermeidung abhalte. Wer sich für das Thema interessiert ist herzlich willkommen, auch sonst freue ich mich immer über Rückfragen und darüber, mehr über ein müllarmes Leben zu erzählen!

Putzen? Aber bitte ohne Chemie!

von Sarah Hansen

Hand auf’s Herz: Hast du dir schonmal Gedanken über deine Putzgewohnheiten gemacht?

Seit kurzem weiß ich: In Deutschland werden jährlich 1,5 Millionen Tonnen Wasch- und Reinigungsmittel* an den privaten Endverbraucher verkauft und landen dementsprechend im Abwasser – Industriereinigung also noch gar nicht eingerechnet. Eine für mich erschreckend hohe Zahl. Zudem werden die meisten Produkte nicht benötigt und beinhalten giftige und umweltschädliche Stoffe.

Bereits seit einigen Jahren stelle ich in unregelmäßigen Abständen mein eigenes Putz- und Waschmittel her. Meine Motivation dieses auszuprobieren waren vor allem die Lust Dinge selbst zu machen, die Umwelt zu schonen und weil ich mal gelesen habe, dass chemische Reinigungsmittel „irgendwie nicht so gesund sein sollen“. Aber wenn ich ganz ehrlich bin, dann überwiegt oft die Bequemlichkeit und das fertige Produkt wandert in den Einkaufswagen.

Dabei überwiegen die Vorteile von selbsthergestelltem Putzmittel um Längen. Im Prinzip benötigt ein Haushalt nur Natron, Soda, Essig, Zitronensäure und Kernseife. Da inzwischen alles unverpackt gekauft werden kann, spart es eine Menge Geld und Plastik, ist bei weitem nicht so aggressiv, wie die chemische Variante und besser für die Umwelt, da biologisch abbaubar. Auch viele Pflegeprodukte lassen sich mit diesen Zutaten herstellen.

Das Internet bietet eine große Auswahl an Rezepten und Ideen. Tutorials in den Sozialen Medien oder Websites wie utopia.de helfen für einen ersten Überblick. Das Buch „5 Hausmittel ersetzen eine Drogerie“ informiert umfangreich und hat für wirklich jeden Fleck das passende Rezept zur Hand. Auch auf Instagram inspirieren zero_waste_deutschland und Start-Ups wie luise.klaragruen. Luise ist eine richtige Putzfluencerin und informiert über nachhaltiges Saubermachen, das richtige Equipment und die richtigen Putztechniken. Ihr wichtigstes Mittel zur Reinigung ist meist nur destilliertes Wasser und ein Edelstahlschwamm. Damit du direkt starten kannst, habe ich dir hier schon eines meiner Lieblingsrezepte zum Fensterputzen rausgesucht. Viel Freude beim Ausprobieren

*Quelle: Nachhaltigkeitsbericht 2019 Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel e. V.

März-Fazit

von Nina Lage-Diestel

Über den Winter mussten wir lange Zeit ohne unsere Extraportion Glück auskommen, ungewohnt war’s und es fehlte einfach etwas. Umso größer die Freude, dass wir wieder öffnen konnten, in aller Vorsicht und mit einem frisch überarbeiteten Hygienekonzept. Unser Fazit für den ersten Monat: Läuft! Wir haben von euch viel positives Feedback bekommen, was uns sehr glücklich macht. Insgesamt haben uns in diesem ersten Monat 174 Mitglieder und einige Gäste besucht.

Tendenziell beobachten wir, dass es einen für uns etwas überraschenden Run auf die Terminbuchungen gibt, viele aber sehr zögerlich spontan zu den Öffnungszeiten vorbeikamen. Vor Ort haben wir gehört, dass zum einen die Planungssicherheit ein Pluspunkt ist, insbesondere für Vereinsmitglieder, die eine längere Anreise aus dem Kieler Umland haben und zum anderen große Angst vor dem Anstehen besteht. Das ist natürlich verständlich (grade bei Kieler Schietwedder), tatsächlich kam es im gesamten März nicht ein einziges Mal zu einer längeren Schlange vor dem Glückslokal. Zu jeder vollen und jeder halben Stunde konnten jeweils 5 Besucher*innen ohne Termin hereinkommen, teilweise stand jedoch nur ein einziger Mensch oder sogar niemand vor der Tür (das war ein kleines bisschen unheimlich :)).

Aufgrund der Corona-bedingten Planungsunsicherheit und der ansteigenden Kieler Inzidenz haben wir vorerst die Buchung von April-Terminen auf zwei Stück pro Vereinsmitglied begrenzt und hoffen, dass dadurch deutlich mehr Mitglieder die Chance auf ein heiß begehrten Glücks-Ticket bekommen. Wir empfehlen nach wie vor, bereits zu Hause zu überlegen, was grade dringend aus dem Glückslokal benötigt wird und dann gezielt vor Ort nach einem Glücks-Griff zu suchen. Habt auch ihr ein März-Feedback für uns? Hinweise, Wünsche, konstruktive Kritik sind uns herzlich willkommen, wir probieren es jeden Monat ein Stück besser zu machen und gemeinsam mit euch einen guten Weg durch diese Pandemie-Zeit zu finden!

Warum das Glückslokal ein Verein ist

von Nina Lage-Diestel

Warum ist das Glückslokal eigentlich kein „normaler“ Laden, wo Mensch „normal“ einkaufen kann? Ganz ehrlich: Genau das möchten wir nicht sein. Ein Laden, wo den Dingen ein Preisschild aufgedrückt wird, entspricht nicht unserer Vorstellung vom Konsum der Zukunft. Klar haben Secondhand-Shops ihre Vorteile, wir möchten sie auch nicht ersetzen, sondern ergänzen. Ein weiteres Angebot schaffen für alle, die Lust haben, sich auf diese Konsumalternative einzulassen. Das Glückslokal soll niemandem gehören! Der Verein, das sind wir alle und es soll keine Eigentümer*innen geben, die sich finanziell bereichern können. Sämtliche Einnahmen gehören dem Verein selbst und niemandem sonst.

Das, was auf den allerersten Blick sichtbar ist, unterscheidet sich vielleicht nur unwesentlich von einem Laden – Ich gehe hinein und mit „neuen“ Dingen in der Hand wieder heraus. Das Glückslokal ist und kann jedoch so viel mehr. Wir bekommen regelmäßig das Feedback, dass der Verein das eigene Denken und Handeln beeinflussen kann: Sowohl auf der Ebene des Nehmens (Welche Dinge haben für mich einen konkreten Nutzen oder machen mich glücklich?) als auch des Gebens (An welchen Dingen finde ich keinen Gefallen mehr und gebe sie weiter? Von welchem Dingen kann ich mich endlich lösen?). Wenn ich mich darauf einlasse, die Sachen in meiner Wohnung nicht mehr anhand von Euros zu bewerten, sondern von dem tatsächlichen Nutzen für mich, scheint so manches in einem anderen Licht. Damit meine ich natürlich nicht Dinge, für die ich lange sparen musste oder die einen hohen emotionalen Stellenwert für mich haben, sondern Gegenstände des täglichen Gebrauchs, von denen sich manchmal eher zu viel als zu wenig angesammelt hat.

Im Glückslokal wird daher nicht Geld gegen Ware getauscht, sondern die Gemeinschaft finanziert einen Verein, der sich für die Vision einer enkeltauglichen Welt einsetzt, in der Konsum eine andere Funktion haben wird. Fest steht: Wir können uns nicht grün konsumieren, die Welt von morgen braucht alternative Modelle. Wir können nicht alles neu kaufen und uns dann wundern, dass die Rechnung mit dem unbegrenzten Wachstum bei endlichen Ressourcen nicht aufgehen wird. Der Verein bietet ein praktisches und relativ leicht umsetzbares Angebot in einem großen Netzwerk von Initiativen, die sich alle für einen gesellschaftlichen Wandel einsetzen, für eine Transformation und ein anderes Miteinander. Nicht nur mit unseren Mitmenschen, sondern auch mit der Umwelt. Für dieses höhere Ziel bietet das Glückslokal eine Möglichkeit, mehr Nachhaltigkeit in das eigene Leben zu integrieren.

Wie klein darf’s sein?

von Sabrina Böhm

Loslassen und sich von dem Trennen, was belastet – das ist das Credo vieler Glücklokalisten. Wer aber viel aussortiert, bemerkt schnell, dass die eigenen vier Wände plötzlich luftiger und geordneter erscheinen als vorher. Da kommt schon mal die Frage auf: Wie viel Wohnraum brauche ich wirklich?

Anfang vergangenen Jahres packte mich und meinen Mann die Idee von einem Tiny House. Viele denken bei diesem Begriff sofort an wohnwagenähnliche Häuschen auf einem Anhänger mit Rollen, aber die Vielfalt der Tiny Houses ist viel größer. Es gibt die 9 Quadratmeter großen Mobilheime auf Pkw-Anhängern, aber auch 40 Quadratmeter große Modulhäuser, die auf Wechselbrücken stehen und jederzeit zum Transport via Lkw bereit sind. Manche bauen sich Tiny Houses aus Zirkuswagen oder bestellen eins bei Anbietern, die komplette Tiny Houses für 50.000 Euro aufwärts herstellen. Viele setzen aber auch auf die Marke Eigenbau und basteln sich selbst ein Haus zusammen. Aber geht das so einfach?

Gerade in Deutschland ist das mit den Tiny Houses keine einfache Sache. Sollen sie mobil auf einem Pkw-Anhänger stehen, müssen sie eine Straßenzulassung bekommen. Dabei gilt: Der Aufbau, also vom Rad bis zum Dach des Tiny House, darf nicht höher als 4 Meter sein, nicht breiter als 2,55 Meter und nicht mehr als 3,5 Tonnen wiegen. Und wer sein Tiny irgendwo dauerhaft bewohnen will, hat auch so seine Schwierigkeiten. Ist das Gelände überhaupt für den Wohnungsbau freigegeben? Ist das Tiny House auch statisch von einem Architekten konstruiert worden? Entspricht es den Bebauungsvorschriften des jeweiligen Wohngebietes? Vorschriften über Vorschriften gibt es zu beachten, dazu noch von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedliche. Einzig allein ein Dauercampingplatz könnte die langfristige Lösung sein, aber auch da gilt es einen Campingplatz zu finden, der das befürwortet. Und ganz ehrlich, wer will schon auf dem Campingplatz wohnen?

Der Weg zu einem Tiny House erscheint recht steinig. Unterstützung bekommen wir im Tiny House Forum und der Tiny-House-Deutschland-Facebook-Gruppe, wo ein reger Austausch stattfindet. Dort wird über mögliche Heizungssysteme/Kaminöfen, Hausformen und viele andere Details ausführlich diskutiert. Für uns steht fest: Wir möchten ein Modulhaus aus gebrauchten Seecontainern bauen. Die l-förmige Grundfläche soll 38 Quadratmeter betragen. Es soll ohne Räder, einfach dem Boden stehen. Schon jetzt haben wir ein konkretes 3D-Modell gebaut, um uns ganz genau vorzustellen, wie viel Stauraum wir brauchen. Fehlt also „nur“ noch ein passendes Gelände, doch das könnte noch eine Weile dauern….

Rückblick auf ein wildes Jahr

von Nina Lage-Diestel

Vor ein paar Tagen las ich einen Jahresrückblick, der 2020 leicht zynisch in „kein Corona, viel Corona, wenig Corona, viel Corona“ zusammenfasste. Aber wie lief es für unseren Verein? Viel vorgenommen hatten wir uns für dieses Jahr! An einem neuen Sharing-Konzept und dessen Umsetzung hatten wir monatelang getüftelt, im März wollten wir unsere Ideen wahrwerden lassen. Wieder mehr Mitglieder aufnehmen, den Verein finanziell absichern, um ihn langfristig zu erhalten und nicht immer wieder besorgt auf das Konto zu schielen. So planten wir. Und dann kam der März und wir mussten schließen.

In der allerersten Glückspost schrieb ich im Januar über Vorsätze, über den Frühjahrsputz und Aufräum-Partys. Ich ahnte nicht, dass das Jahr ganz andere Prioritäten bereithalten würde. Unsere Erwartungen an unsere eigenen Pläne wurden in diesem Jahr sicherlich nicht erfüllt. Dennoch bin ich dankbar, dass wir es trotz aller Widrigkeiten geschafft haben, mit unserem ehrenamtlichen Team weiterhin zuverlässige Öffnungszeiten anzubieten, mit Hygiene-Konzept und allem Pipapo. Viele Mitglieder*innen konnten uns 2020 besuchen und wir hoffen, dass wir euch allen diese besondere Zeit damit ein bisschen versüßen konnten. Wir waren da und ihr wart da und das fühlte sich gut an!

Dass schönste in diesem Jahr ist wohl mit Abstand, dass unser Team um einige ganz tolle Menschen bereichert wurde, die uns schnell ans Herz gewachsen sind. Wilde Zeiten haben wir zusammen gemeistert! Und ohne die zusätzliche Power wäre es kaum zu schaffen gewesen. Jede von uns hat so viel Herzblut ins Glückslokal gesteckt, der Zusammenhalt war deutlich spürbar. Ich bin jedenfalls unglaublich stolz darauf, was alle Ehrenamtlichen gemeinsam bewirken konnten! Und am Ende des Jahres bleibt uns zu sagen: Wir alle zusammen schaffen das. Unsere Wünsche für den Verein sind noch nicht in Erfüllung gegangen, aber 2021 verheißt: Neues Jahr, neues Glück!

Black Friday – Die Kritik an der Kritik

von Nina Lage-Diestel

Der Black Friday ist für Konsumkritiker*innen wahrlich kein Tag der Freude. Mit Sonderangeboten und Rabatten umwirbt der Handel potenzielle Käufer*innen, hochaufgestapelte Produkte blitzen und blinken und zwinkern einem zu. Das Ziel: Ordentlich Umsatz machen! Die Frage nach der Notwendigkeit einer Anschaffung kann beim Anblick der purzelnden Prozente durchaus in den Hintergrund geraten. Umso besser, dass bereits in den 90ern als Erwiderung der Buy-Nothing-Day entstand. An diesem Tag wird sich bewusst dafür entschieden, nichts zu kaufen. Zusätzlich inspiriert die Circular-Monday-Bewegung online zum Ausleihen, Tauschen & Teilen als auch zu Reparatur oder Upcycling. Also zu allem, was das Herz einer ressourcenschonenden Kreislaufwirtschaft hüpfen lässt.

Also alles gut? Nun ja. Wer profitiert denn auf Unternehmensseite von dem Verkaufsevent? Das kleine Fairtrade-Label, das die Produkte liebevoll in Handarbeit herstellt, wird es sich wohl kaum leisten können, die Preise stark zu senken, um mit der Konzern-Konkurrenz mitzuhalten. Und auch auf Konsument*innen-Seite ist die Welt kein Ponyhof. Dass ich mich persönlich dafür entscheide, mich am Black-Friday-Einkauf nicht zu beteiligen, ist ökologisch betrachtet natürlich gut und sinnvoll. Meine freie Wahlmöglichkeit setzt jedoch eins voraus: Mein Privileg. Ich kann an den Prozentschildern völlig entspannt vorbeigehen, weil ich nicht von ihnen abhängig bin. Eine Frage der individuellen Einstellung oder vielmehr des Systems, aufbauend auf vielschichtigen strukturellen Problemen?

Eine reine Konsumkritik anlässlich des Black Friday ist meiner Meinung nach verkürzt. Insbesondere in Zeiten einer Pandemie. Viele kleine lokale Läden leiden an den Umsatzeinbußen und verdienen Unterstützung statt Boykott. Zusätzlich steigt die soziale Ungleichheit in der Gesellschaft an. Ich werde nicht mit dem Finger auf jemanden zeigen, der Black-Friday-Rabatte nutzt, weil ich es schlichtweg nicht beurteilen kann, ob dieser Kauf einer Geiz-ist-Geil-Mentalität entstammt oder ob ihm eine ernsthafte Notlage zugrunde liegt. Die wirklich interessanten Fragen befinden sich doch erst jenseits einer pauschalen Einteilung in Gut & Böse: Wer sind die Gewinner*innen des Black Friday, wer die Verlierer*innen und warum? Welchen Stellenwert haben Konsum und Besitz und was macht das mit uns? Was brauchen wir als Gesellschaft, um uns nicht (mehr) anhand unseres Besitzes zu bewerten?

Anregungen zum Schenken

Jemandem etwas zu schenken macht große Freude – oft sogar mehr, als selbst beschenkt zu werden. Sinnvoll zu schenken ist manchmal aber gar nicht so leicht. Deshalb habe ich für euch meine liebsten Geschenk-Ideen zusammengestellt! Bei jeder Entscheidung steht dabei natürlich die Frage im Vordergrund: Kann der/die Beschenkt*e das überhaupt gebrauchen?

Wenn du nicht weißt, was du schenken sollst, besorge nicht irgendetwas. Schenke nur, wenn sich etwas gezielt gewünscht wird. Finde heraus, ob die Person den Gegenstand gebraucht genauso toll findet, wie neu gekauft und schenke, wenn möglich, lieber Second-Hand. Sollte der Gegenstand neu sein, weil es sich zum Beispiel um ein Stück Haarseife handelt, suche gezielt nach Lädchen, die liebevolle, handgemachte Sachen produzieren und verkaufen. Auch Kiel hat hier einiges zu bieten.

Schenke Verbrauchsgegenstände, nicht Gebrauchsgegenstände, zum Beispiel hochwertigen Kaffee, Tee oder Öl. Natürlich nur Dinge, die im Alltag auch wirklich verbraucht werden. Die Person kocht nicht? Dann schenke keine fancy Gewürzmischung, die im Schrank Platz wegnimmt.

Schenke Zeit. Wenn du jemanden kennst, der einen stressigen Alltag hat, schenke dieser Person Zeit für sich. Entlaste, indem du den Hund ausführst, das Kind einen Nachmittag hütest oder einen Einkauf erledigst. Auch Zeit für gemeinsame Unternehmungen kann mehr Freude bereiten als ein Strauß Blumen, der nach fünf Tagen verwelkt ist.

Der Klassiker: Do it yourself. Momentan gilt sowieso: lieber zuhause bleiben, als in überfüllten Geschäften herumlaufen. Die Möglichkeiten sind unendlich und das Internet bietet eine unglaubliche Fülle an Anleitungen zum Selbermachen. Einige Ideen: stricken oder häkeln, Makramee knüpfen, Marmelade oder Tomatensoßen einkochen, Pralinen und Kosmetik herstellen, Kerzen ziehen oder gießen.

Verschenke eine Patenschaft oder Mitgliedschaft. Ob für den Schutz von der Umwelt, Mensch oder Tier – es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten Gutes zu tun. Gerade in diesem Jahr benötigen viele Initiativen finanzielle Unterstützung. Vielleicht ist ja sogar eine Glückslokal-Verschenk-Mitgliedschaft genau das richtige Geschenk für dich?

Einmal Reset drücken, bitte

Unser Gehirn wird jeden Tag mit unheimlich vielen Informationen überflutet. Tausende Werbebotschaften stürmen auf uns ein, täglich gibt es neue Informationen zum Klimawandel. Wir haben so viel zu tun, dass wir To-Do-Listen schreiben, unsere Kalender sind vollgestopft mit Terminen und nie bleibt genug Zeit, sich einmal wirklich auszuruhen. All der Stress, die Sorgen, die Hetze tun dem Körper nicht gut. Zumal wir uns häufig nur zwischendurch mit schnellen Essen füttern, ohne viel darüber nachzudenken, was unser Körper wirklich braucht. Für mich ist ein Weg aus diesem Teufelskreis: das Fasten.

Foto: Sabrina Böhm

Seit 2,5 Jahren faste ich regelmäßig. Zweimal im Jahr steige ich aus dem ganzen Karussell des Lebens aus und nehme mir Zeit und Ruhe für mich. Für mich ist das Fasten nach Buchinger optimal. Dabei gibt es nur Gemüsesäfte, am besten frisch entsaftet, Brühe und Tee. Viele sagen: Ich könnte nie fasten, ich esse viel zu gerne. Meine Antwort ist dann immer: Ich esse auch sehr gerne, aber ich weiß, dass mir das Fasten körperlich und mental sehr gut tut. Dafür lohnt es sich, mal für ein paar Tage zu verzichten. Wenn sich der Körper nach zwei oder drei Fastentagen umgestellt hat, auf den Fettstoffwechsel, fühle ich mich so energiegeladen wie nie. Nun holt sich der Körper alle Energie aus den körpereigenen Fettreserven. Man glaubt es kaum, wie viel Energie der Körper sonst braucht, um zu verdauen. Wenn das wegfällt, eröffnet sich eine ganz neue Ebene – auch mental. Die Fastenzeit ist für mich immer eine Zeit, in der ich mir bewusst Zeit nehme, um wichtige Themen anzugehen. Einmal im Kopf aufräumen. Den Ballast der Seele untersuchen und am besten Teile davon bearbeiten. Bisher hat sich bei jeder Fastenkur eine emotionale Blockade gelöst. Ich konnte plötzlich Themen angehen, die vorher tief im Unterbewusstsein lagen und meinen Alltag überschatteten. Doch nicht nur das, auch die gesundheitlichen Vorteile vom Fasten haben mich überzeugt. Dem Körper mal eine Auszeit zu geben, um sich selbst zu reinigen, zu reparieren, Kräfte zu sammeln.
Ganz wichtig ist aber auch die Phase nach dem Fasten. Dann ist es besonders einfach, neue Gewohnheiten zu etablieren. Mir fiel es zum Beispiel sehr leicht, nach dem Fasten meine Ernährung umzustellen und mehr Achtsamkeit in meinen Alltag zu bringen. Es ist nicht nur ein Reset drücken, nein, beim Fasten erholt sich mein Körper und mein Geist und ich „erwache“ ganz neu. Zumindest für ein paar Monate gelingt es mir dann, die Werbung auszublenden, nicht so viele To-Dos anzuhäufen, im Kalender Zeit für mich einzutragen und mich gezielt zu entspannen.