Der CO2-Fußabdruck

Vor einigen Monaten war ich bei einem Online-Workshop eingeladen, um das Glückslokal vorzustellen. Ich war ein bisschen zu früh im Zoom-Meeting und hörte zu, wie sich über die Berechnung des eigenen CO2-Fußabdrucks ausgetauscht wurde. Ein Klassiker, wenn es darum geht, auf individueller Ebene nach den „Umweltsünden“ im eigenen Alltag zu suchen. Doch warum darf man da mal einen kritischen Blick drauf werfen und was ist eigentlich der Unterschied zwischen dem ökologischen Fußabdruck und dem CO2-Fußabdruck?

Der ökologische Fußabdruck berechnet, wie viel Fläche ich durch meinen Ressourcenverbrauch einnehme und wird in Hektar angegeben. Mein CO2-Fußabdruck sagt mir dagegen, wie viele Tonnen CO2 ich durch meinen Lebensstil verursache. Das macht wiederum einen Teil meines ökologischen Fußabdrucks aus. Jennifer Hauwehde schreibt in Great Green Thinking, „dass der ökologische Fußabdruck ursprünglich keine wissenschaftliche Kategorie, sondern eine Erfindung des Ölkonzerns British Petroleum (BP) war“. Uff. Wie bitte? Die Berechnung meines persönlichen CO2-Verbrauchs als PR-Coup eines Öl-Giganten? Ergibt das Sinn? Ja, tatsächlich schon.

Die Verantwortung verschiebt sich. Mein Blick richtet sich auf mich, auf mein individuelles Konsumverhalten, auf meine Schuld, die ich an der ganzen Misere mittrage. Sicher ist es sinnvoll, einmal den eigenen Status Quo zu checken und zu reflektieren, was ich anders machen kann und möchte. Der Blick auf das große Ganze darf dabei nur nicht verloren gehen. In einer nicht nachhaltigen Welt (Öl, Kohle etc.) ist es mir in individueller Leistung innerhalb dieser Gesellschaft rein rechnerisch nicht möglich, meinen CO2-Verbrauch auf ein klimaverträgliches Maß zu reduzieren. Dazu möchte ich noch einmal Jennifer zitieren, die sich auf eine Studie des MIT zum ökologischen Fußabdruck in den USA bezieht: „Sogar ein wohnungsloser Mensch, der in der Suppenküche sein Essen abholt und auf der Straße schläft, hat einen jährlichen Fußabdruck von knapp 8,5 Tonnen CO2. Klimaverträglich wären 2,3 Tonnen.“ Auf den ersten Blick völlig absurd, auf den zweiten logisch, da hier Infrastrukturen, auf die (zumindest theoretisch) alle Menschen zugreifen (z.B. Straßen, Polizei, Büchereien) und deren CO2-Verbrauch eingerechnet sind.

Also: Bitte verzweifelt nicht, wenn ihr das Gefühl habt, nicht perfekt nachhaltig zu leben und euch womöglich dafür schämt. Perfektion ist eh für die Katz, lasst uns lieber alle einen kleinen unperfekten Teil zur Nachhaltigkeit beitragen und gemeinsam dafür kämpfen, dass sich dieses System ändert.

“Flow-Markt” in der Alten Mu!

Seit gefühlten Ewigkeiten gab es in der Alten Mu keinen Flohmarkt merkt und wir finden, das sollte sich unbedingt ändern! Mit unseren Nachbar*innen vom Fahrradkinokombinat möchten wir euch daher alle zu einem gemütlichen Freitagnachmittag mit Second-Hand-Schätzen, Kuchen-Corner, Fahrradkino-Tresen und Musik von Jona Gold einladen. Haltet euch den 10. September von 16 bis max. 20 Uhr frei, das wird schön!

Der Flow-Markt wird auf dem Parkplatz hinter der Alten Mu stattfinden, laut Hygienekonzept werden Eingang und Ausgang voneinander getrennt und der Eingang befindet sich gegenüber vom Hotel Steigenberger über die Auffahrt auf den Parkplatz. Bitte kommt nach Möglichkeit nicht mit dem Auto, der Parkplatz kann nicht befahren werden und im Lorentzendamm gibt es fast nur Parkplätze für Anwohner*innen. Der Eintritt zu der Veranstaltung ist frei, wir bitten jedoch um einen freiwilligen Soli-Euro als Spende für die Alte Mu, die uns die Nutzung der Außenflächen erlaubt hat.

Du möchtest selbst beim Flow-Markt einen Verkaufsstand anbieten? Insgesamt haben wir knapp dreißig Stände zwischen zwei und vier Metern zu vergeben, die Stände werden von uns gemäß den Hygienevorgaben auf dem Gelände verteilt. Ein Meter kostet sieben Euro, bei Bedarf kann gegen Leihgebühr eine Kleiderstange aus dem Glückslokal ausgeliehen werden. Schreib uns gerne an info@glueckslokal.de und wir lassen dir alle Infos zu der Veranstaltung zukommen!

Wir erfassen eure Kontaktdaten über die Luca-App oder handschriftlich. Falls es richtig übles Schietwedder gibt, muss die Veranstaltung leider ausfallen.

Das Glückslokal im August

Für unsere Öffnungszeiten gibt es (endlich mal) keine Änderungen. Der Juli war erstaunlich ruhig, in der Regel kamen die meisten Besucher*innen zwischen 16 und 17 Uhr vorbei. Die Besuchskapazitäten waren selten ausgeschöpft, daher haben wir in den letzten zwei Wochen darauf verzichtet, zusätzliche Öffnungszeiten anzubieten. Sollten im August wieder mehr Mitglieder Lust haben, das Glückslokal zu besuchen, werden wir natürlich probieren, mehr ehrenamtliche Kapazitäten freizumachen und häufiger zu öffnen! Feststeht, dass wir am Freitag, den 13. August von 10-12 Uhr vor Ort sind und ihr uns mit Termin (Ticketshop https://pretix.eu/glueckslokal/glueck/) besuchen könnt. Wenn euch 20 Minuten nicht ausreichen, könnt ihr euch einfach zwei Termine am Stück buchen und schon habt ihr fast eine Stunde Zeit für eine ausführliche Schatz-Suche!

Apropos mehr Mitglieder: Unsere Mitgliederzahlen sind seit 2019 von mehr als 1000 Vereinsmitgliedern auf rund 700 gesunken. Seit Anfang letzten Jahres sind fast alle öffentlichen Veranstaltungen, auf denen wir uns hätten zeigen können, abgesagt worden und wir sind gefühlt ein bisschen unsichtbar im Kieler Stadtleben geworden. Um wieder sichtbarer zu werden, planen wir im August in den sozialen Medien aktiver zu werden und mehr von uns zu zeigen. Dazu gehört auch, dass wir sehr gerne Mitglieder vorstellen möchten. Wenn dir das Glückslokal genauso ans Herz gewachsen ist, wie uns und du Lust hast auf ein Kurz-Portrait, melde dich gerne bei uns! Auch wenn du selbst in einem nachhaltigen Projekt in Kiel ehrenamtlich aktiv bist: Wir freuen uns sehr über Austausch, wie wir uns gegenseitig unterstützen können!

Gemeinnützigkeit

Die Frage nach Gemeinnützigkeit und Spendenquittungen ist ein Thema, das uns seit sieben Jahren begleitet. Um es gleich vorwegzunehmen: Das Glückslokal ist ein eingetragener Verein, jedoch nicht gemeinnützig! Und ja, wir haben probiert, es zu werden. Bereits 2014 haben wir einen Ablehnungsbescheid vom Finanzamt bekommen und auch weitere Beratungen in den Folgejahren führten zum gleichen Ergebnis. Es ist wie es ist, die gemeinnützigen Zwecke sind gesetzlich festgelegt und vor allem erfüllt das Glückslokal eine ganz entscheidende Bedingung nicht: Die Mitgliedsbeiträge werden nicht selbstlos entrichtet. Jedes Vereinsmitglied hat die Möglichkeit, sich – sofern gewünscht – im Glückslokal schöne Second-Hand-Dinge auszusuchen und mitzunehmen. Dieser persönliche Vorteil, der sich aus der Mitgliedschaft ergibt, schließt jedoch Selbstlosigkeit aus.

Auch wenn eine Sharing-Community in dieser Form nicht gemeinnützig ist, finden wir das Angebot trotzdem gut und wichtig und möchten es gerne genauso beibehalten. Zwischendurch kam die Idee auf, zusätzlich zum Glückslokal einen weiteren Förder-Verein zu gründen, der gemeinnützige Zwecke verfolgen soll. Da jedoch ein gemeinnütziger Verein einen nicht-gemeinnützigen Verein nicht direkt finanziell supporten kann, werden wir einen anderen Weg gehen. Vielleicht ergeben sich ja schöne Kooperationen mit gemeinnützigen und förderfähigen Institutionen, die Lust auf Projekt-Partnerschaften mit uns haben? Wir sind für Vorschläge offen!

Zero Waste

von Skadi Frahm

Hallo, ich bin Skadi!  

Bis 2018 habe ich in einer Reihenhaussiedlung gewohnt, in der alle 14 Tage die gelben Säcke abgeholt wurden. Sie stapelten sich an der Straße, hunderte Säcke im Monat. Natürlich auch die meiner Familie, ca. 4 volle Säcke im Monat. Nach ein paar Reportagen, Dokumentationen, Artikel und Berichte über die Umweltbelastung durch Plastik und Ressourcenverschwendung durch Verpackungen war mir klar, dass ich nicht mehr mitmachen wollte.  

Heute passt mein Kunststoff-Verpackungsmüll eines Jahres in ein Einmachglas (ich komme auf ca. 200 Gram im Jahr). Wie schaffe ich das?

Ich kaufe meine Lebensmittel unverpackt, das geht mittlerweile nicht mehr nur in speziellen Läden, auch einige Bioläden, Spezialitätengeschäfte wie Asia-Shops und auch viele Supermärkte bieten eine unverpackt-Abteilung an. Auf den Wochenmärkten gibt es alles an Obst und Gemüse ohne Verpackung, regional und saisonal. Ich mache mir einen Wochenplan, was ich kochen möchte und schreibe einen Einkaufszettel. So entfallen Spontankäufe, die dann nur im Schrank liegen. So wird auch kein Essen verschwendet.

Ich verzichte auf Neuanschaffungen bei Textilien, Elektronik und anderen Gegenständen, kaufe diese second-hand, tausche und leihe.

Ich nehme meine eigene Tasse, Brötchenbeutel und Dosen mit, wenn ich unterwegs bin, benötige also auch auf Reisen kein Einmal-Geschirr oder -Verpackungen.

Ich stelle einige Sachen selber her, wie zum Beispiel Reinigungsmittel und Kosmetik.  

Natürlich bin ich nicht bei Null, in meinem Glas finden sich Zahnpastatuben, Teebeutelverpackungen und dieses Jahr auch einiges an Sojawürstchen-Tüten. Dafür suche ich noch gute Alternativen. 🙂

Ich weiß, dass Zero-Waste den Ruf hat, teuer und zeitintensiv zu sein. Das kann ich nicht bestätigen. Regional, saisonal und selbstgemacht ist in den meisten Fällen viel günstiger, als fertig gekauft und ob ich mit unverpackten Lebensmitteln koche oder mit verpackten macht keinen Unterschied im Aufwand. Die Herstellung meines Deos zum Beispiel dauert ca. 2 Minuten. Hafermilch noch weniger und kostet auch nur wenige Cents. Seit ich mich mit dem Thema Nachhaltigkeit und Müllvermeidung beschäftige, konsumiere und lebe ich anders. Dort, wo ich mein Geld ausgebe, sage ich damit „Das finde ich gut, das unterstütze ich!“ Mit diesem Grundgedanken kann ich ganz einfach entscheiden, wo ich mein Geld lasse. Umweltschonende und ganzheitliche Herstellungsprozesse überzeugen mich nicht nur bei Lebensmitteln. Auch für Dienstleistungen gebe ich gerne Geld aus, denn ich möchte, dass Menschen angemessen für ihre Arbeit entlohnt werden. Meine Prioritäten haben sich verschoben: lieber wenig aber wertig, als Massen an minderwertigen Dingen.

Müllfreies Reisen ist ein Thema für sich. Es funktioniert und macht Spaß – das habe ich selbst schon herausgefunden.

Viel gelernt habe ich im Zero Waste Kiel e.V. wo ich mit meinem Partner einmal im Monat einen Stammtisch zu verschiedenen Themen im Bereich Müllvermeidung abhalte. Wer sich für das Thema interessiert ist herzlich willkommen, auch sonst freue ich mich immer über Rückfragen und darüber, mehr über ein müllarmes Leben zu erzählen!

Putzen? Aber bitte ohne Chemie!

von Sarah Hansen

Hand auf’s Herz: Hast du dir schonmal Gedanken über deine Putzgewohnheiten gemacht?

Seit kurzem weiß ich: In Deutschland werden jährlich 1,5 Millionen Tonnen Wasch- und Reinigungsmittel* an den privaten Endverbraucher verkauft und landen dementsprechend im Abwasser – Industriereinigung also noch gar nicht eingerechnet. Eine für mich erschreckend hohe Zahl. Zudem werden die meisten Produkte nicht benötigt und beinhalten giftige und umweltschädliche Stoffe.

Bereits seit einigen Jahren stelle ich in unregelmäßigen Abständen mein eigenes Putz- und Waschmittel her. Meine Motivation dieses auszuprobieren waren vor allem die Lust Dinge selbst zu machen, die Umwelt zu schonen und weil ich mal gelesen habe, dass chemische Reinigungsmittel „irgendwie nicht so gesund sein sollen“. Aber wenn ich ganz ehrlich bin, dann überwiegt oft die Bequemlichkeit und das fertige Produkt wandert in den Einkaufswagen.

Dabei überwiegen die Vorteile von selbsthergestelltem Putzmittel um Längen. Im Prinzip benötigt ein Haushalt nur Natron, Soda, Essig, Zitronensäure und Kernseife. Da inzwischen alles unverpackt gekauft werden kann, spart es eine Menge Geld und Plastik, ist bei weitem nicht so aggressiv, wie die chemische Variante und besser für die Umwelt, da biologisch abbaubar. Auch viele Pflegeprodukte lassen sich mit diesen Zutaten herstellen.

Das Internet bietet eine große Auswahl an Rezepten und Ideen. Tutorials in den Sozialen Medien oder Websites wie utopia.de helfen für einen ersten Überblick. Das Buch „5 Hausmittel ersetzen eine Drogerie“ informiert umfangreich und hat für wirklich jeden Fleck das passende Rezept zur Hand. Auch auf Instagram inspirieren zero_waste_deutschland und Start-Ups wie luise.klaragruen. Luise ist eine richtige Putzfluencerin und informiert über nachhaltiges Saubermachen, das richtige Equipment und die richtigen Putztechniken. Ihr wichtigstes Mittel zur Reinigung ist meist nur destilliertes Wasser und ein Edelstahlschwamm. Damit du direkt starten kannst, habe ich dir hier schon eines meiner Lieblingsrezepte zum Fensterputzen rausgesucht. Viel Freude beim Ausprobieren

*Quelle: Nachhaltigkeitsbericht 2019 Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel e. V.

März-Fazit

von Nina Lage-Diestel

Über den Winter mussten wir lange Zeit ohne unsere Extraportion Glück auskommen, ungewohnt war’s und es fehlte einfach etwas. Umso größer die Freude, dass wir wieder öffnen konnten, in aller Vorsicht und mit einem frisch überarbeiteten Hygienekonzept. Unser Fazit für den ersten Monat: Läuft! Wir haben von euch viel positives Feedback bekommen, was uns sehr glücklich macht. Insgesamt haben uns in diesem ersten Monat 174 Mitglieder und einige Gäste besucht.

Tendenziell beobachten wir, dass es einen für uns etwas überraschenden Run auf die Terminbuchungen gibt, viele aber sehr zögerlich spontan zu den Öffnungszeiten vorbeikamen. Vor Ort haben wir gehört, dass zum einen die Planungssicherheit ein Pluspunkt ist, insbesondere für Vereinsmitglieder, die eine längere Anreise aus dem Kieler Umland haben und zum anderen große Angst vor dem Anstehen besteht. Das ist natürlich verständlich (grade bei Kieler Schietwedder), tatsächlich kam es im gesamten März nicht ein einziges Mal zu einer längeren Schlange vor dem Glückslokal. Zu jeder vollen und jeder halben Stunde konnten jeweils 5 Besucher*innen ohne Termin hereinkommen, teilweise stand jedoch nur ein einziger Mensch oder sogar niemand vor der Tür (das war ein kleines bisschen unheimlich :)).

Aufgrund der Corona-bedingten Planungsunsicherheit und der ansteigenden Kieler Inzidenz haben wir vorerst die Buchung von April-Terminen auf zwei Stück pro Vereinsmitglied begrenzt und hoffen, dass dadurch deutlich mehr Mitglieder die Chance auf ein heiß begehrten Glücks-Ticket bekommen. Wir empfehlen nach wie vor, bereits zu Hause zu überlegen, was grade dringend aus dem Glückslokal benötigt wird und dann gezielt vor Ort nach einem Glücks-Griff zu suchen. Habt auch ihr ein März-Feedback für uns? Hinweise, Wünsche, konstruktive Kritik sind uns herzlich willkommen, wir probieren es jeden Monat ein Stück besser zu machen und gemeinsam mit euch einen guten Weg durch diese Pandemie-Zeit zu finden!

Warum das Glückslokal ein Verein ist

von Nina Lage-Diestel

Warum ist das Glückslokal eigentlich kein „normaler“ Laden, wo Mensch „normal“ einkaufen kann? Ganz ehrlich: Genau das möchten wir nicht sein. Ein Laden, wo den Dingen ein Preisschild aufgedrückt wird, entspricht nicht unserer Vorstellung vom Konsum der Zukunft. Klar haben Secondhand-Shops ihre Vorteile, wir möchten sie auch nicht ersetzen, sondern ergänzen. Ein weiteres Angebot schaffen für alle, die Lust haben, sich auf diese Konsumalternative einzulassen. Das Glückslokal soll niemandem gehören! Der Verein, das sind wir alle und es soll keine Eigentümer*innen geben, die sich finanziell bereichern können. Sämtliche Einnahmen gehören dem Verein selbst und niemandem sonst.

Das, was auf den allerersten Blick sichtbar ist, unterscheidet sich vielleicht nur unwesentlich von einem Laden – Ich gehe hinein und mit „neuen“ Dingen in der Hand wieder heraus. Das Glückslokal ist und kann jedoch so viel mehr. Wir bekommen regelmäßig das Feedback, dass der Verein das eigene Denken und Handeln beeinflussen kann: Sowohl auf der Ebene des Nehmens (Welche Dinge haben für mich einen konkreten Nutzen oder machen mich glücklich?) als auch des Gebens (An welchen Dingen finde ich keinen Gefallen mehr und gebe sie weiter? Von welchem Dingen kann ich mich endlich lösen?). Wenn ich mich darauf einlasse, die Sachen in meiner Wohnung nicht mehr anhand von Euros zu bewerten, sondern von dem tatsächlichen Nutzen für mich, scheint so manches in einem anderen Licht. Damit meine ich natürlich nicht Dinge, für die ich lange sparen musste oder die einen hohen emotionalen Stellenwert für mich haben, sondern Gegenstände des täglichen Gebrauchs, von denen sich manchmal eher zu viel als zu wenig angesammelt hat.

Im Glückslokal wird daher nicht Geld gegen Ware getauscht, sondern die Gemeinschaft finanziert einen Verein, der sich für die Vision einer enkeltauglichen Welt einsetzt, in der Konsum eine andere Funktion haben wird. Fest steht: Wir können uns nicht grün konsumieren, die Welt von morgen braucht alternative Modelle. Wir können nicht alles neu kaufen und uns dann wundern, dass die Rechnung mit dem unbegrenzten Wachstum bei endlichen Ressourcen nicht aufgehen wird. Der Verein bietet ein praktisches und relativ leicht umsetzbares Angebot in einem großen Netzwerk von Initiativen, die sich alle für einen gesellschaftlichen Wandel einsetzen, für eine Transformation und ein anderes Miteinander. Nicht nur mit unseren Mitmenschen, sondern auch mit der Umwelt. Für dieses höhere Ziel bietet das Glückslokal eine Möglichkeit, mehr Nachhaltigkeit in das eigene Leben zu integrieren.

Wie klein darf’s sein?

von Sabrina Böhm

Loslassen und sich von dem Trennen, was belastet – das ist das Credo vieler Glücklokalisten. Wer aber viel aussortiert, bemerkt schnell, dass die eigenen vier Wände plötzlich luftiger und geordneter erscheinen als vorher. Da kommt schon mal die Frage auf: Wie viel Wohnraum brauche ich wirklich?

Anfang vergangenen Jahres packte mich und meinen Mann die Idee von einem Tiny House. Viele denken bei diesem Begriff sofort an wohnwagenähnliche Häuschen auf einem Anhänger mit Rollen, aber die Vielfalt der Tiny Houses ist viel größer. Es gibt die 9 Quadratmeter großen Mobilheime auf Pkw-Anhängern, aber auch 40 Quadratmeter große Modulhäuser, die auf Wechselbrücken stehen und jederzeit zum Transport via Lkw bereit sind. Manche bauen sich Tiny Houses aus Zirkuswagen oder bestellen eins bei Anbietern, die komplette Tiny Houses für 50.000 Euro aufwärts herstellen. Viele setzen aber auch auf die Marke Eigenbau und basteln sich selbst ein Haus zusammen. Aber geht das so einfach?

Gerade in Deutschland ist das mit den Tiny Houses keine einfache Sache. Sollen sie mobil auf einem Pkw-Anhänger stehen, müssen sie eine Straßenzulassung bekommen. Dabei gilt: Der Aufbau, also vom Rad bis zum Dach des Tiny House, darf nicht höher als 4 Meter sein, nicht breiter als 2,55 Meter und nicht mehr als 3,5 Tonnen wiegen. Und wer sein Tiny irgendwo dauerhaft bewohnen will, hat auch so seine Schwierigkeiten. Ist das Gelände überhaupt für den Wohnungsbau freigegeben? Ist das Tiny House auch statisch von einem Architekten konstruiert worden? Entspricht es den Bebauungsvorschriften des jeweiligen Wohngebietes? Vorschriften über Vorschriften gibt es zu beachten, dazu noch von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedliche. Einzig allein ein Dauercampingplatz könnte die langfristige Lösung sein, aber auch da gilt es einen Campingplatz zu finden, der das befürwortet. Und ganz ehrlich, wer will schon auf dem Campingplatz wohnen?

Der Weg zu einem Tiny House erscheint recht steinig. Unterstützung bekommen wir im Tiny House Forum und der Tiny-House-Deutschland-Facebook-Gruppe, wo ein reger Austausch stattfindet. Dort wird über mögliche Heizungssysteme/Kaminöfen, Hausformen und viele andere Details ausführlich diskutiert. Für uns steht fest: Wir möchten ein Modulhaus aus gebrauchten Seecontainern bauen. Die l-förmige Grundfläche soll 38 Quadratmeter betragen. Es soll ohne Räder, einfach dem Boden stehen. Schon jetzt haben wir ein konkretes 3D-Modell gebaut, um uns ganz genau vorzustellen, wie viel Stauraum wir brauchen. Fehlt also “nur” noch ein passendes Gelände, doch das könnte noch eine Weile dauern….

Rückblick auf ein wildes Jahr

von Nina Lage-Diestel

Vor ein paar Tagen las ich einen Jahresrückblick, der 2020 leicht zynisch in „kein Corona, viel Corona, wenig Corona, viel Corona“ zusammenfasste. Aber wie lief es für unseren Verein? Viel vorgenommen hatten wir uns für dieses Jahr! An einem neuen Sharing-Konzept und dessen Umsetzung hatten wir monatelang getüftelt, im März wollten wir unsere Ideen wahrwerden lassen. Wieder mehr Mitglieder aufnehmen, den Verein finanziell absichern, um ihn langfristig zu erhalten und nicht immer wieder besorgt auf das Konto zu schielen. So planten wir. Und dann kam der März und wir mussten schließen.

In der allerersten Glückspost schrieb ich im Januar über Vorsätze, über den Frühjahrsputz und Aufräum-Partys. Ich ahnte nicht, dass das Jahr ganz andere Prioritäten bereithalten würde. Unsere Erwartungen an unsere eigenen Pläne wurden in diesem Jahr sicherlich nicht erfüllt. Dennoch bin ich dankbar, dass wir es trotz aller Widrigkeiten geschafft haben, mit unserem ehrenamtlichen Team weiterhin zuverlässige Öffnungszeiten anzubieten, mit Hygiene-Konzept und allem Pipapo. Viele Mitglieder*innen konnten uns 2020 besuchen und wir hoffen, dass wir euch allen diese besondere Zeit damit ein bisschen versüßen konnten. Wir waren da und ihr wart da und das fühlte sich gut an!

Dass schönste in diesem Jahr ist wohl mit Abstand, dass unser Team um einige ganz tolle Menschen bereichert wurde, die uns schnell ans Herz gewachsen sind. Wilde Zeiten haben wir zusammen gemeistert! Und ohne die zusätzliche Power wäre es kaum zu schaffen gewesen. Jede von uns hat so viel Herzblut ins Glückslokal gesteckt, der Zusammenhalt war deutlich spürbar. Ich bin jedenfalls unglaublich stolz darauf, was alle Ehrenamtlichen gemeinsam bewirken konnten! Und am Ende des Jahres bleibt uns zu sagen: Wir alle zusammen schaffen das. Unsere Wünsche für den Verein sind noch nicht in Erfüllung gegangen, aber 2021 verheißt: Neues Jahr, neues Glück!