Kräuter vor der Glückslokal-Tür

von Angelika Junge

Hast du schon gesehen, wie es überall grünt? Auch vor der Tür des Glückslokals, insbesondere im Alte-Mu-Innenhof. Die Permakulturgruppe erntet bereits jede Menge Kräuter! Und ihr könnt es auch! Welche? Hier sind unsere Lieblinge – direkt an der Tür.

Zitronenmelisse und Minze sind Kulturkräuter. Ihr kennt sicherlich den zitronigen, fast sommerlich frischen Geschmack der Zitronenmelisse für Tee oder auch für Salate. Minze ist natürlich bekannt zur Unterstützung der Verdauung, ist aber im Sommer – heiß getrunken – sehr erfrischend und durstlöschend. Ich empfehle sie gerne zum Backen von Schokokeksen und -kuchen! Das bewirkt den besonderen Effekt wie bei After Eight: Eine Hand voll frischer Minzblätter klein wie Petersilie schneiden (mit einem großen Messer wiegen) und in den Teig mischen, dann werdet ihr sehen, wie das Aroma seine Wirkung tut.

Blaulila blühender Gundermann, zarter Giersch, Löwenzahn, hübscher Beinwell und der zarte Kleine Wiesenknopf (auch Pimpernelle) sind Wildkräuter mit richtig vielen Vitaminen und Mineralstoffen. Also absolut gesund zu dieser Jahreszeit. Alle haben einen mehr oder weniger starken, würzigen Geschmack und eignen sich bestens fein gehackt/ gewogen für Dips und auf Brot, für Smoothies und für Suppen. Nur die schönsten Blätter handverlesen sammeln, vorsichtig waschen, abtupfen, verarbeiten und genießen. 

Gundermann: Triebspitzen sehr würzig als Speise, bei Husten, Durchfall, Stellen im Mund, als Tee für schlecht heilende Wunden.

Giersch: Zahlreiche wertvolle Inhaltsstoffe wie Eisen, Kalium, Magnesium, Kalzium, Zink, Vitamin C und A… es ist ein gesundes Wildgemüse! Gerne als „Masse“ im Wildsalat nutzen. Bitte nicht verwechseln mit Hundspetersilie oder Gefleckter Schierling: Sie haben ähnliche weiße Blüten aber die Blätter sind viel feiner, nicht so fleischig und saftig.

Kleiner Wiesenknopf/Pimpernelle: Sehr vitaminreich für Salate und Smoothies, Tee bei Stellen im Mund, Behandlung von Wunden, bei Sonnenbrand und unreiner Haut.

Löwenzahn: Die zarten Blätter, die Knospen, Blätter und auch die Wurzel sind leicht bitter und können wie Rucola verwendet werden.

Beinwell: Ist ähnlich wie Borretsch, vom Geschmack her gurkenähnliches Wildgemüse (nur wenig davon essen wg. nachgewiesener Pyrrolizidinalkaloide). Heilung von stumpfen, nichtblutenden Verletzungen wie Prellungen und Verstauchung insbesondere am Bein. Sehr gut zum Mulchen und Düngen des Gartens!

Man kann ganze Romane über spannende Wildkräuter schreiben, denn sie sind von der Natur präsentiertes Superfood, genau zur richtigen Zeit des Jahres. Warum? Ihr kennt sicherlich auch die Anzeichen von Frühjahrsmüdigkeit? Oder versorgt ihr euch mit Nahrungsergänzungsmitteln? Na, in der Natur und eben auch vor der Tür des Glückslokals bekommt ihr sie umsonst – nur bücken, pflücken, Duft einatmen und sich schon dabei gestärkt fühlen.

Bei vielen Kräutern ist es so, dass in dem Moment, wo sie Blüten entwickeln, die Blätter ihre gute Wirkung verlieren, dann investiert die Pflanze in Schönheit/ Insekten bzw. in die Produktion ihrer Nachkommen – in Saat! Es gibt ziemlich viele Bücher, in denen all dies ausgeführt wird. Ich verwende gerne von Rudi Beiser: Unsere essbaren Wildpflanzen aus dem Kosmos Verlag und – ganz neu aus diesem Jahr – das sehr hübsche Buch von Martina Merz:  Wildkräuter – Bestimmen, Sammeln, Zubereiten: Rezepte für Pestos, Chutneys, Pizzen, Salate, Pasta-Gerichte, Gebäcke, Smoothies… aus dem Becker Joest Volk Verlag. Martina Merz hat viele flotte Videos auf YouTube und kann wunderbar erklären.

TEE

Sucht ein paar der schönsten Blätter aus, pflückt sie vorsichtig und gießt heißes Wasser drüber. 5-10 Min ziehen lassen. Das bezieht sich insbesondere auf Minze und Zitronenmelisse. Geht aber ebenso gut mit Brennnessel (entwässernd, entschlackend, Milchproduktion fördernd). Bei den Wildkräutern empfehle ich eher eine Mischung, gerne auf der Basis von Brennnesseln (fest mit zwei Fingern anfassen, dann brennen sie nicht) und dann beliebig andere dazunehmen. Zum Beispiel ein- oder drei Mal am Tag einen Becher trinken!

SMOOTHIE

Als Basis empfiehlt sich Saft oder Wasser, Banane und Apfel, Gurke und dann nach Belieben Kräuter. Zum Würzen etwas Salz, Knoblauch… Lecker!

SUPPE

Grüne-Neune-Suppe (ein altes Rezept für die Frühlingszeit)

9 verschiedene Wildkräuter – Und daraus eine Suppe kochen: Die Wirkung ist belebend und entschlackend, was nach den langen Wintermonaten unserem Körper guttut.

Zum Beispiel:

je eine Hand voll von 9 ausgewählten Kräutern:

Löwenzahn (zarte Blätter, Knospen, Wurzel: schrubben und in kleine Stücke schneiden)

Gänseblümchen (Blätter und Blüten)

Taubnessel (Blätter und Blüten)

Giersch (junge Blätter)

Brennnessel (Blätter)

Vogelmiere (Blüten und Blätter)

Knoblauchrauke (Blüten und frische Blätter)

Gundermann (Spitzen mit Blättern und Blüten)

Kleiner Wiesenknopf (Knospen und Blätter)

Sauerampfer (zarte Blätter)

Ehrenpreis (Blüten, Blätter, Stängel)

Schafgabe (Blätter, weiße Blüten)

Wegerich (zarte Blätter)

Kräuter gut waschen, abtupfen (schöne Blüten an die Seite legen) und mit einem scharfen großen Messer klein schneiden/ wiegen.

1 gehackte Zwiebel in die klein geschnittene Löwenzahnwurzel in 1 EL Öl andünsten.

3 größere Kartoffeln waschen (ggf. mit Schale), in Würfel schneiden und zu den Zwiebeln geben.

1 Liter Wasser hinzufügen.

3 Esslöffel Gemüsebrühe hinzufügen oder alternativ Salz und Pfeffer und 9 Min kochen lassen.

Anschließend Herd ausstellen und die fein gehackten Kräuter unterrühren sowie 3 Teelöffel Schmand oder Sahne, 9 Min ziehen lassen, mit Blüten dekorieren und heiß essen. Und genießen!

Wir bauen um

von Nina Lage-Diestel

Erinnert ihr euch noch an diese vor-pandemische Zeit, als wir alle täglich im Internet unsere Stimme für das Glückslokal abgeben durften, um beim Umweltpreis der Stadtwerke Kiel finanzielle Unterstützung für die Vereinskasse zu gewinnen? Lang ist’s her, doch wir haben unser Ziel nicht aus den Augen verloren. Den Gewinn möchten wir investieren in etwas, das wir alle kennen und lieben: das Glückslokal! Wir bauen um – mit viel Tamtam. Und das meinen wir ganz wörtlich, denn unsere ehrenamtliche AG Umbau hat mehrere Angebote von Expert*innen eingeholt und sich dazu entschieden, mit dem studio tamtam aus der Alten Mu zusammenzuarbeiten.

Mit den beiden Event- und Interior-Designerinnen Kim & Dana möchten wir ein Raumkonzept für unseren zweiten großen Raum erarbeiten. Dort tummeln sich nicht nur Kleiderständer, sondern auch verschiedenste Glücksteile aus den Bereichen Elektro, Haushalt, Textil, Accessoires, Bastel & Büro, Spiel und Spaß. Klingt nach einer bunten Mischung? Absolut! Das Glückslokal ist wild und wunderbar und das wird es natürlich auch bleiben, dennoch ist das Motto unseres Umbaus „Angleichung, Ruhe & Struktur, Flexibilität“ – Denn das eine muss das andere nicht ausschließen.

Wir sind wahnsinnig gespannt auf alles, was entstehen wird, motiviert, viele Ideen neu zu denken und schon sehr neugierig auf den kreativen Prozess!

Ein neues Leben

von Nina Lage-Diestel

Mittwochmittag im Glückslokal, zwei Vereinsmitglieder haben sich für Verschenk-Termine angekündigt und möchten einen ordentlichen Schwung aussortierter Schätze vorbeibringen. Eine Stunde später. Draußen nieselt es ins Grau hinein und ich stehe im bunten Chaos, umringt vom Inhalt etwa zehn Umzugskartons. Kleidung, Accessoires, Deko, Dinge zum Basteln, Ordnen und für die Küche – Es ist einfach alles dabei und ich probiere zu überschlagen, wie viele Glücksteile wohl grade abgegeben wurden, um in diesen Räumen ein neues Leben zu beginnen und von anderen Menschen entdeckt zu werden. Bei rund fünfzig höre ich auf zu zählen, um nicht bis morgen hier zu sitzen. Und staune wieder einmal, was für ein besonderer Umverteilungs-Kosmos das Glückslokal ist.

Wie viele aussortierte Dinge wohl jeden Monat den Weg zu uns finden? Fest steht: Es sind viele. Sehr viele! Wir Ehrenamtlichen checken mit zwei Augenpaaren jedes Glücksteil, sortieren ein und hängen auf. Manche Dinge verweilen nur ein paar Minuten in unseren Regalen, andere warten etwas länger auf ein neues Leben. Das, was bei uns nicht ausgesucht wird, wird dorthin weitergegeben, wo es einen guten Zweck erfüllen kann. Stadtmission, Tierheim, Obdachlosen-Hilfen, Kinderheime, Sozialdienste – Das Glückslokal-Universum ist deutlich größer, als es auf den ersten Blick scheint und viele Menschen haben etwas davon, wenn schöne und nützliche Dinge zum Verschenken bei uns abgegeben werden. Ein Team-Mitglied steckt seit vielen Jahren unermüdlich sehr viel Zeit und Liebe allein in die Aufgabe, für jedes bei uns zum Weitergeben ausgewählte Stück Glück genau den richtigen Ort zu finden und die Dinge umzuverteilen (Danke Eike, für alles <3!).

Wie viel Strahlkraft unsere Vereinsarbeit insgesamt hat und wie viele Menschen wir nicht nur in engeren, sondern auch weiteren Kreisen jeden Monat erreichen, können wir nur erahnen. Aber eins wissen wir ganz genau: Allein im Jahr 2021 haben unsere Vereinsmitglieder rund 20.000 Second-Hand-Schätzen nur über ihre Monatskontingente ein neues Leben geschenkt. 20.000 Dinge, die nicht im Müll gelandet sind, die nicht neu gekauft wurden und die uneigennützig abgegeben wurde, um anderen Menschen eine Freude zu machen. Und das ist eine Zahl, auf die wir alle stolz sein können.

Jahresrückblick

von Nina Lage-Diestel

Komm, wir huschen einmal gemeinsam durch das Jahr 2021 durch!

So richtig elegant startet 2021 nicht, denn wir dürfen zunächst nicht öffnen. Den Januar verbringen wir noch ein bisschen im Winterschlaf, im Februar werden wir eingeladen, einen Workshop für alle Bewerber*innen des Nachhaltigkeitspreises Schleswig-Holstein zu leiten. Damit verfliegt auch die Müdigkeit schnell, denn – aufregend – im März öffnen wir endlich! Eine ständige Überarbeitung des Hygienekonzepts beschert uns ab April zeitweilig ein sehr ungewohntes Besuchssystem mit buchbaren Terminen. Zumindest wird’s nicht langweilig und hey, sollten wir jemand Konzerte veranstalten, wissen wir nun, wie wir einen Online-Ticket-Shop einrichten! Im Mai dürfen wir das Glückslokal beim Online-VHS-Kurs „Klimafit“ vorzustellen und der Juni beschenkt uns mit den ersten zwei neuen Ehrenamtlichen des Jahres.

Im Juli ist es endlich so weit: Das Glückslokal kann wieder ganz spontan ohne Terminbuchung besucht werden! Überhaupt kommt wieder etwas mehr Schwung in die Bude, wir arbeiten nun immerhin mit drei Ehrenamtlichen bei den Öffnungszeiten zusammen, ein Vereinsmitglied hilft uns, einen neuen Social-Media-Plan zu erstellen und drei weitere neue Ehrenamtliche werden ins Team aufgenommen. Allerdings: Die Community schrumpft, im Juli sind wir insgesamt weniger als 700 Vereinsmitglieder, das gab es seit 2017 nicht mehr und ist schon ein bisschen traurig für uns. Aber wir lassen uns die Laune nicht trüben und feiern im August den Sommer bei einem schönen internen Team-Fest mit leckerer Pizza im Innenhof der Alten Mu und beim großen Alte-Mu-Sommerfest mit euch allen gemeinsam und geöffneten Glückslokal-Türen.

Ein Grund zur Freude ist außerdem unser neues Vereinskonto bei der GLS-Bank, auf dem im September schon die ersten Mitgliedsbeiträge eintrudeln. Wir gehen zusammen klimastreiken und begrüßen im Oktober zwei weitere neue Ehrenamtliche im Team. Gegen Ende des Jahres ist noch mal einiges los bei uns: Wir öffnen unsere Türen zum Alte-Mu-Herbstmarkt, eine Folge des Kieltopia-Podcasts mit dem Glückslokal als Gästin geht online und wir beginnen mit dem Verkauf der Verschenk-Mitgliedschaften als Weihnachts-Aktion. Und erneut: Es schließen sich zwei weitere Ehrenamtliche unserem Team an! Im Dezember starten wir an Weihnachten in unseren Winterurlaub und schließen das Jahr mit 772 Vereinsmitgliedern ab.

Zeit für Erinnerungen

von Nina Lage-Diestel

Einen Jahresrückblick wollte ich schreiben, aus Vereinssicht, Zahlen-Daten-Fakten für und mit dem Glückslokal – Und nun schwelge ich stattdessen bei einer Tasse Kakao in schönen Erinnerungen.

Wisst ihr noch im September, dieser eine Tag, an dem es absurd viel regnete und mittags wie durch Zauberhand die Sonne durch die Wolken brach und bis zum Untergang warm strahlte? Dieser eine Tag war der Tag des allerersten Glückslokal-Flow-Markts. Der Flohmarkt fühlte sich für mich wie ein minikleines Parkplatzgrau-buntes-Limo-Festival an und ich kaufte mir den schönsten selbstgenähten grünen Samtrock aller Zeiten, an dessen Saum ich seitdem so einige schöne Erinnerungen eingefangen habe (liebste Grüße an die Verkäuferin, die auch Vereinsmitglied ist ;)).

Und dann das Kiel-Kann-Mehr-Zukunftsfestival auf dem Blücherplatz im August! Auch an dem Tag zitterten wir noch bis ganz kurz vor dem Aufbau wegen einer Sturmwarnung – Und verbrachten den Tag im Sonnenschein mit so vielen netten Gesprächen und wurden nur später beim Abbau ein ganz klitzekleines bisschen nass.  Unsere Ausstellungspartnerin Charlotte von Sisu hatte einen Teil ihrer spannenden Ausstellung „Umkleiden“ mitgebracht und wir brachten einige Second-Hand-Schätze aus dem Glückslokal mit, um zu zeigen, wie gut Slow-Fashion in Kiel aussehen kann (Sehr sehr gut natürlich!).

Das dritte, was mir in den Sinn kommt, wenn ich 2021 Revue passieren lasse, ist gleich ein ganzer Schrank voller Erinnerungen an Momente mit anderen Ehrenamtlichen. Ihr Lieben, was für ein krass schönes gemeinsames Jahr!  Ich weiß nicht, wie es jeder Einzelnen von euch geht, aber ich habe mich auf alle ehrenamtlichen Schichten so sehr gefreut, auf jedes gemeinsame Aufräum-Date und ganz besonders auf die Sortier-Freitage, die meist mit einer kleinen Verkleidungs-Sause und Gruppen-Hut-Fotos endeten. Es war mir ein Fest mit euch! Dass wir dieses Jahr mit einem ehrenamtlichen Team von 24 tollen Menschen beenden, die regelmäßig in unterschiedlichen kleinen Schicht-Teams so gut zusammenarbeiten, sich zusätzlich privat helfen und unterstützen, wo es nur geht, ist nicht selbstverständlich – Wir sind eine Bande großer Glücks-Kekse! Auf dass dieses Glück uns hold bleibt!

Wenn ihr Zeit und Lust habt, setzt euch gemütlich hin, denkt an eure Stunden im Glückslokal. Mit wem hattet ihr schöne wertschätzende Gespräche? Über welchen Second-Hand-Fund habt ihr euch besonders gefreut? Welche Momente haben euch richtig zufrieden gemacht?

Aktuelles

von Nina Lage-Diestel

ZDF-Reportage

Was haben Paris und die Alte Mu gemeinsam? Das ZDF hat uns besucht und als Positivbeispiele für lebendige Stadtentwicklung genannt! Die Dokumentation Re: Lebendig und lebenswert – Wie Städte sich neu erfinden von Eva Münstermann und Frédérique Veith zeigt, wie wir als Zusammenschluss von Vereinen, Start-Ups und Künstler*innen gemeinsam eine Vision verfolgen: ein kreatives Dorf mitten in der Stadt, im Herzen Kiels. Wir sind ein Teil des großen Ganzen und wer sich dafür interessiert, was um das Glückslokal herum passiert, sollte hier unbedingt mal reingucken! Ein kurzer Blick in unsere Vereinsräume und auf unser Mitglied Inge kann ebenfalls erhascht werden.

https://www.arte.tv/de/videos/100300-076-A/re-lebendig-und-lebenswert/

PS: Lasst euch nicht davon irritieren, dass das ZDF uns als Tauschladen bezeichnet, das sind wir natürlich weiterhin nicht ;).

Gremiumssitzung Ideenwerkstatt

Seit der Gründung unserer Genossenschaft ALTE MU eG im April ist eine Menge passiert. Im Rahmen der dreiteiligen Veranstaltungsreihe „Ideenwerkstatt“ haben wir Akteur*innen gemeinsam überlegt: Wie soll die Alte Mu der Zukunft aussehen? Wie können Wohnen, Wirken, Arbeit und Kreativität unter einem Dach sinnvoll und mit Mehrwert zusammenkommen? Bei der Gremiumssitzung im November waren wir uns als Alte-Mu-Community einig und auch die Jury hat unser favorisiertes Architekturbüro auserwählt. In den nächsten Jahren wird das vereinsinterne Entwicklungsteam mit den Deadline Architekt*innen aus Berlin zusammenarbeiten. Es wird sich vieles ändern und gleichzeitig ganz viel Neues entstehen. Wir sind gespannt und bleiben dabei: Wir machen Mu!

Hygienekonzept

Einige haben uns in den letzten Tagen bezüglich unseres Hygienekonzepts gefragt: Was ändert sich? Für euch als Besucher*innen ändert sich derzeit nichts. Wir orientieren uns weiterhin an den Regelungen des Einzelhandels, es bleibt die Maskenpflicht und das Abstandsgebot bestehen. Auch auf allen Gemeinschaftsflächen auf dem Alte-Mu-Gelände (z.B. Flure und Toiletten) gilt weiterhin die Verpflichtung zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes. Für uns als Ehrenamtliche gilt für unsere Arbeit im Glückslokal aktuell die 3G-Regel. Ihr habt Fragen oder Feedback, fühlt euch mit irgendetwas unwohl, wünscht euch unseren Support? Meldet euch gerne bei uns, wir sind von montags bis freitags über info@glueckslokal.de für euch da!

Foodsharing in Kiel

von Yonca Hohlweg

Ihr kennt mich aus dem Glückslokal, aber wie einige andere Mitglieder des Glückis rette und verteile ich regelmäßig mit meinem Rad Lebensmittel für Foodsharing – seit März 2020 mehr als 3,7 Tonnen. Ein tolles Ehrenamt für alle, die sich die Fernsehbilder von Lebensmittelverschwendung nicht mehr ohnmächtig ansehen wollen. Foodsharing Kiel e.V. ist eine lebendige Gemeinschaft aus mehr als 500 ehrenamtlichen jungen und älteren Foodsaver*innen.

401,6 Tonnen Lebensmittel konnten in Kiel bisher ehrenamtlich gerettet und verteilt werden. Wir retten Obst und Gemüse, Milchprodukte und Fleisch, Backwaren, Kuchen, belegte Brötchen oder Reste vom Mittagstisch – mal morgens früh oder abends kurz vor Feierabend. Wir retten in Betrieben, mit denen wir vorher Absprachen treffen. Dazu gehören 270 Supermärkte, Restaurants und Cafés, Tankstellen oder Bioläden. Die Foodsaver*innen entscheiden dann selbst, an wen sie die Lebensmittel weiterverteilen: Soziale Einrichtungen, Obdachlose, Bedürftige, Menschen mit ganz kleinem Budget, Nachbar*innen. Verteilt wird über bekannte Anlaufstellen, die Foodsharing Facebookgruppe, viele WhatsApp-Gruppen und persönliche Netzwerke.

Als Teil von Foodsharing Deutschland läuft die zentrale Organisation in den Städten über www.foodsharing.de. Du möchtest dabei sein? Dann absolviere das Eingangsquiz dort. Wir werden dich dann zu Einführungsabholungen mitnehmen und dich einarbeiten. Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit sind wichtig. Du kannst später selber steuern, wann und wie oft du dich für Abholungen einträgst. Manche von uns retten mit einem Auto. Bei vielen Betrieben ist das aber keine Voraussetzung, so dass wir oft umweltschonend mit dem Rad retten können. Ich kann das wärmstens empfehlen: ein sinnvolles Ehrenamt, bei dem du nette Leute triffst und aktiv gegen Lebensmittelverschwendung vorgehen kannst.

Der CO2-Fußabdruck

Vor einigen Monaten war ich bei einem Online-Workshop eingeladen, um das Glückslokal vorzustellen. Ich war ein bisschen zu früh im Zoom-Meeting und hörte zu, wie sich über die Berechnung des eigenen CO2-Fußabdrucks ausgetauscht wurde. Ein Klassiker, wenn es darum geht, auf individueller Ebene nach den „Umweltsünden“ im eigenen Alltag zu suchen. Doch warum darf man da mal einen kritischen Blick drauf werfen und was ist eigentlich der Unterschied zwischen dem ökologischen Fußabdruck und dem CO2-Fußabdruck?

Der ökologische Fußabdruck berechnet, wie viel Fläche ich durch meinen Ressourcenverbrauch einnehme und wird in Hektar angegeben. Mein CO2-Fußabdruck sagt mir dagegen, wie viele Tonnen CO2 ich durch meinen Lebensstil verursache. Das macht wiederum einen Teil meines ökologischen Fußabdrucks aus. Jennifer Hauwehde schreibt in Great Green Thinking, „dass der ökologische Fußabdruck ursprünglich keine wissenschaftliche Kategorie, sondern eine Erfindung des Ölkonzerns British Petroleum (BP) war“. Uff. Wie bitte? Die Berechnung meines persönlichen CO2-Verbrauchs als PR-Coup eines Öl-Giganten? Ergibt das Sinn? Ja, tatsächlich schon.

Die Verantwortung verschiebt sich. Mein Blick richtet sich auf mich, auf mein individuelles Konsumverhalten, auf meine Schuld, die ich an der ganzen Misere mittrage. Sicher ist es sinnvoll, einmal den eigenen Status Quo zu checken und zu reflektieren, was ich anders machen kann und möchte. Der Blick auf das große Ganze darf dabei nur nicht verloren gehen. In einer nicht nachhaltigen Welt (Öl, Kohle etc.) ist es mir in individueller Leistung innerhalb dieser Gesellschaft rein rechnerisch nicht möglich, meinen CO2-Verbrauch auf ein klimaverträgliches Maß zu reduzieren. Dazu möchte ich noch einmal Jennifer zitieren, die sich auf eine Studie des MIT zum ökologischen Fußabdruck in den USA bezieht: „Sogar ein wohnungsloser Mensch, der in der Suppenküche sein Essen abholt und auf der Straße schläft, hat einen jährlichen Fußabdruck von knapp 8,5 Tonnen CO2. Klimaverträglich wären 2,3 Tonnen.“ Auf den ersten Blick völlig absurd, auf den zweiten logisch, da hier Infrastrukturen, auf die (zumindest theoretisch) alle Menschen zugreifen (z.B. Straßen, Polizei, Büchereien) und deren CO2-Verbrauch eingerechnet sind.

Also: Bitte verzweifelt nicht, wenn ihr das Gefühl habt, nicht perfekt nachhaltig zu leben und euch womöglich dafür schämt. Perfektion ist eh für die Katz, lasst uns lieber alle einen kleinen unperfekten Teil zur Nachhaltigkeit beitragen und gemeinsam dafür kämpfen, dass sich dieses System ändert.

“Flow-Markt” in der Alten Mu!

Seit gefühlten Ewigkeiten gab es in der Alten Mu keinen Flohmarkt merkt und wir finden, das sollte sich unbedingt ändern! Mit unseren Nachbar*innen vom Fahrradkinokombinat möchten wir euch daher alle zu einem gemütlichen Freitagnachmittag mit Second-Hand-Schätzen, Kuchen-Corner, Fahrradkino-Tresen und Musik von Jona Gold einladen. Haltet euch den 10. September von 16 bis max. 20 Uhr frei, das wird schön!

Der Flow-Markt wird auf dem Parkplatz hinter der Alten Mu stattfinden, laut Hygienekonzept werden Eingang und Ausgang voneinander getrennt und der Eingang befindet sich gegenüber vom Hotel Steigenberger über die Auffahrt auf den Parkplatz. Bitte kommt nach Möglichkeit nicht mit dem Auto, der Parkplatz kann nicht befahren werden und im Lorentzendamm gibt es fast nur Parkplätze für Anwohner*innen. Der Eintritt zu der Veranstaltung ist frei, wir bitten jedoch um einen freiwilligen Soli-Euro als Spende für die Alte Mu, die uns die Nutzung der Außenflächen erlaubt hat.

Du möchtest selbst beim Flow-Markt einen Verkaufsstand anbieten? Insgesamt haben wir knapp dreißig Stände zwischen zwei und vier Metern zu vergeben, die Stände werden von uns gemäß den Hygienevorgaben auf dem Gelände verteilt. Ein Meter kostet sieben Euro, bei Bedarf kann gegen Leihgebühr eine Kleiderstange aus dem Glückslokal ausgeliehen werden. Schreib uns gerne an info@glueckslokal.de und wir lassen dir alle Infos zu der Veranstaltung zukommen!

Wir erfassen eure Kontaktdaten über die Luca-App oder handschriftlich. Falls es richtig übles Schietwedder gibt, muss die Veranstaltung leider ausfallen.

Das Glückslokal im August

Für unsere Öffnungszeiten gibt es (endlich mal) keine Änderungen. Der Juli war erstaunlich ruhig, in der Regel kamen die meisten Besucher*innen zwischen 16 und 17 Uhr vorbei. Die Besuchskapazitäten waren selten ausgeschöpft, daher haben wir in den letzten zwei Wochen darauf verzichtet, zusätzliche Öffnungszeiten anzubieten. Sollten im August wieder mehr Mitglieder Lust haben, das Glückslokal zu besuchen, werden wir natürlich probieren, mehr ehrenamtliche Kapazitäten freizumachen und häufiger zu öffnen! Feststeht, dass wir am Freitag, den 13. August von 10-12 Uhr vor Ort sind und ihr uns mit Termin (Ticketshop https://pretix.eu/glueckslokal/glueck/) besuchen könnt. Wenn euch 20 Minuten nicht ausreichen, könnt ihr euch einfach zwei Termine am Stück buchen und schon habt ihr fast eine Stunde Zeit für eine ausführliche Schatz-Suche!

Apropos mehr Mitglieder: Unsere Mitgliederzahlen sind seit 2019 von mehr als 1000 Vereinsmitgliedern auf rund 700 gesunken. Seit Anfang letzten Jahres sind fast alle öffentlichen Veranstaltungen, auf denen wir uns hätten zeigen können, abgesagt worden und wir sind gefühlt ein bisschen unsichtbar im Kieler Stadtleben geworden. Um wieder sichtbarer zu werden, planen wir im August in den sozialen Medien aktiver zu werden und mehr von uns zu zeigen. Dazu gehört auch, dass wir sehr gerne Mitglieder vorstellen möchten. Wenn dir das Glückslokal genauso ans Herz gewachsen ist, wie uns und du Lust hast auf ein Kurz-Portrait, melde dich gerne bei uns! Auch wenn du selbst in einem nachhaltigen Projekt in Kiel ehrenamtlich aktiv bist: Wir freuen uns sehr über Austausch, wie wir uns gegenseitig unterstützen können!