Vor einigen Monaten war ich bei einem Online-Workshop eingeladen, um das Glückslokal vorzustellen. Ich war ein bisschen zu früh im Zoom-Meeting und hörte zu, wie sich über die Berechnung des eigenen CO2-Fußabdrucks ausgetauscht wurde. Ein Klassiker, wenn es darum geht, auf individueller Ebene nach den „Umweltsünden“ im eigenen Alltag zu suchen. Doch warum darf man da mal einen kritischen Blick drauf werfen und was ist eigentlich der Unterschied zwischen dem ökologischen Fußabdruck und dem CO2-Fußabdruck?

Der ökologische Fußabdruck berechnet, wie viel Fläche ich durch meinen Ressourcenverbrauch einnehme und wird in Hektar angegeben. Mein CO2-Fußabdruck sagt mir dagegen, wie viele Tonnen CO2 ich durch meinen Lebensstil verursache. Das macht wiederum einen Teil meines ökologischen Fußabdrucks aus. Jennifer Hauwehde schreibt in Great Green Thinking, „dass der ökologische Fußabdruck ursprünglich keine wissenschaftliche Kategorie, sondern eine Erfindung des Ölkonzerns British Petroleum (BP) war“. Uff. Wie bitte? Die Berechnung meines persönlichen CO2-Verbrauchs als PR-Coup eines Öl-Giganten? Ergibt das Sinn? Ja, tatsächlich schon.

Die Verantwortung verschiebt sich. Mein Blick richtet sich auf mich, auf mein individuelles Konsumverhalten, auf meine Schuld, die ich an der ganzen Misere mittrage. Sicher ist es sinnvoll, einmal den eigenen Status Quo zu checken und zu reflektieren, was ich anders machen kann und möchte. Der Blick auf das große Ganze darf dabei nur nicht verloren gehen. In einer nicht nachhaltigen Welt (Öl, Kohle etc.) ist es mir in individueller Leistung innerhalb dieser Gesellschaft rein rechnerisch nicht möglich, meinen CO2-Verbrauch auf ein klimaverträgliches Maß zu reduzieren. Dazu möchte ich noch einmal Jennifer zitieren, die sich auf eine Studie des MIT zum ökologischen Fußabdruck in den USA bezieht: „Sogar ein wohnungsloser Mensch, der in der Suppenküche sein Essen abholt und auf der Straße schläft, hat einen jährlichen Fußabdruck von knapp 8,5 Tonnen CO2. Klimaverträglich wären 2,3 Tonnen.“ Auf den ersten Blick völlig absurd, auf den zweiten logisch, da hier Infrastrukturen, auf die (zumindest theoretisch) alle Menschen zugreifen (z.B. Straßen, Polizei, Büchereien) und deren CO2-Verbrauch eingerechnet sind.

Also: Bitte verzweifelt nicht, wenn ihr das Gefühl habt, nicht perfekt nachhaltig zu leben und euch womöglich dafür schämt. Perfektion ist eh für die Katz, lasst uns lieber alle einen kleinen unperfekten Teil zur Nachhaltigkeit beitragen und gemeinsam dafür kämpfen, dass sich dieses System ändert.

Der CO2-Fußabdruck

Ein Kommentar zu „Der CO2-Fußabdruck

  • Oktober 1, 2021 um 08:06
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    Yeah! So ein toller Beitrag. Britzelt gleich frisch und nährend-inspirierend in mein Denkeköpfchen und meine Erdenseele. Lasst uns alle mehr Erdhüter:innen sein. Jeden Tag, mit allem was wir tun. Manchmal CO2 perfekt, manchmal CO2 fastperfekt ;). Danke für diese Denke*impulse! Angie

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